Zimtkatze24 Dämon

Age: 28 Anmeldungsdatum: 21.10.2004 Beiträge: 428 Wohnort: Ingolstadt
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Verfasst am: Do Okt 20, 2005 9:54 am Titel: Kurzgeschichten |
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Hi
ich hab hier ne tolle Kurzgeschichte von Elke Heidenreich... mich würde interessieren, wie sie euch gefällt...
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Liebesgeschichte
Von Elke Heidenreich
MEIN ERSTER WAR EIN RICHTIGER HERR. Er war schon etwas älter und hatte einiges hinter sich, auch eine andere lange Beziehung. Er wusste immer, was sich gehört. Gut - er war schon etwas fülliger, als er in mein Leben trat, seine vorherige muss sehr gut gekocht haben. Ich war ihm sofort verfallen, denn erstrahlte so eine gewisse gelassene Würde aus, er beruhigte mich, machte mich sicher. Er ging morgens aus dem Haus, und ich kam nie so ganz dahinter, was er eigentlich tagsüber machte, aber er kam pünktlich zu den Mahlzeiten zurück, er war zärtlich zu mir, ich hatte keinen Grund mich zu beklagen. Ich war noch sehr unerfahren, damals. Einmal, als ich vor der Haustür stand und auf ihn wartete, sagte eine Nachbarin zu mir: „Sie suchen ihn? Ich glaube, ich habe ihn bei Frau Jungblut gesehen“.
Ich lege noch heute meine Hand dafür ins Feuer, dass er nie bei Frau Jungblut war. Im Gegenteil, der von Frau Jungblut war mal bei mir - aber das wäre eine andere Geschichte. Meiner, nein, der wäre für solche Abenteuer gar nicht geschaffen gewesen. Er war ein wenig bieder, das war das Schwäbische an ihm. Ja, er war Schwabe, häuslich, sparsam, bürgerlich. Wenn daheim nicht alles so war, wie er es gewohnt war, wenn zum Beispiel ein Sessel einmal woanders stand, ein Kissen nicht am gewohnten Ort lag, dann waren das Dinge, die ihn verwirrten, verärgerten, und er zog sich zurück und war beleidigt. Diesen Zug mochte ich nicht an ihm. Wir hatten anfangs übrigens auch getrennte Schlafzimmer, aber später nicht mehr, und wir waren alles in allem sehr glücklich zusammen. Aber nicht lange, leider. Um ihn habe ich sehr geweint. Wenn man den ersten verliert, das ist besonders schlimm.
Mein zweiter war bedeutend jünger. Ein Art Matrose, er trug gestreift und hatte diesen wiegenden Gang, wie jemand, der nach langer Seereise endlich wieder an Land kommt. Er war sehr wendig, und, das gebe ich jetzt nach all den Jahren durchaus zu, auch ein bisschen windig - ein Luftikus, ein Was - kostet - die - Welt - Typ, immer gut gelaunt, „ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n“, so einer. Er beflirtete das ganze Viertel, alle Damen sprachen von ihm und sagten: „Mit dem haben Sie aber Glück gehabt“ oder „Um den beneide ich Sie direkt, ehrlich gesagt“. Aber er, er kam immer wieder zu mir zurück, er gab mir das Gefühl, die Schönste von allen zu sein, und wenn er mich ansah mit seinen funkelnden Augen, dann war ich glücklich. Leider nicht lange - er starb so früh!
Und dann kam mein dritter. Den vergesse ich nie, was für ein Kerl! Riesig, stark, rothaarig, der hatte Vergangenheit, das sah man ihm an, aber solche haben meist keine Zukunft. Er war zu wild, auch zu wild für mich und mein bürgerliches Leben. Der wollte mehr, der wollte alles. Er hielt sich an gar keine Regeln, an keine Essensgewohnheiten, keine Uhrzeiten, er kam und ging, wie es ihm passte. Oft war er nachts nicht zu Hause, und wenn ich klagend nachfragte, gab er keine Antwort. Er war ein Abenteurer, der sich nicht an gute Sitten und irgendwelche Abmachungen hielt, ein Pirat, ein Routinier der Liebe, und ich wusste: der würde mir nicht lange bleiben. Aber er blieb doch fast zwei Jahre. Er war egoistisch, selbstbewusst, er verdrängte mich auf Randplätze, die Wohnung gehörte ihm. Er wusste, wie schön er war, und er war so leidenschaftlich! Wenn ihm etwas nicht passte, konnte er auch schon mal zuschlagen, das hatte vor ihm noch keiner getan. Meine Freundin zeigte entsetzt auf meine Wunden und fragte: „Was ist das denn?“ „Das war er“, strahlte ich, und da war schon alles längst verziehen. Ich bekam ja nicht nur Hiebe von ihm, sondern auch Liebe, und er genoss sein Leben so - die Mahlzeiten, den Sessel an der Heizung, die wilde Gegend hinter dem Haus.
Er wurde überfahren, wie die beiden anderen auch.
Jetzt lasse ich keine Kerle mehr ins Haus. Ich lebe mit zwei Mädchen. Sie sind etwas dumm, ein bisschen zickig, die eine ist ziemlich dick, aber häuslich und bleiben bei mir und streben nicht in die wilde, böse Welt hinaus, in der sie dann unter die Räder kommen. Es sind eben keine Kater, sondern Katzen, die sich darüber wundern, dass es weit und breit keine Kater mehr gibt, die mal eben so vorbeischeuen. |
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